Wenn du irgendwann merkst, dass du das falsche Ziel verfolgt hast…
Ich arbeite gern in meiner kleinen Werkstatt, am liebsten mit Holz, ich liebe dieses Material. Es erfüllt mich stets mit Freude, meine Arbeiten zu betrachten und das angenehm warme Material zu bearbeiten und es zu fühlen. Es ist ein sehr schönes Gefühl, etwas selbst mit eigenen Händen geschaffen zu haben. Das ist ein großer Unterschied zu meiner Arbeit am PC, den fährst du nach Feierabend herunter und das wars.
Ich bin kein Schreiner und ich bewege mich auch nicht auf Profi-Niveau, vieles habe ich mir auch durch YouTube Videos selbst angeeignet und einfach ausprobiert. Ich finde es übrigens immer wieder faszinierend, was so manche auf YouTube zustande bringen.
Ich neige ja gern zum Perfektionismus, auf der anderen Seite aber bin ich auch oft zu ungeduldig. Die Kombination dieser beider Eigenschaften ist manchmal aber besonders ungünstig. Das spürte ich besonders oft bei meiner Arbeit in der Werkstatt. Mir ging es meist darum, ein möglichst perfektes, aber auch schnelles, bzw. effektives Ergebnis zu erzielen. Dieser Anspruch kommt ganz klar aus meinem beruflichen Leben und daran ist erst mal nichts auszusetzen, aber lest weiter.
Ich konnte es also oft kaum abwarten, endlich das fertige Werkstück oder die Fertigstellung des aktuellen Arbeitsschrittes zu sehen. So passierten mir natürlich öfter ganz blöde Schnitzer, über die ich mich zusätzlich ärgerte. Fehler konnte ich mir oft nur schwer verzeihen und der Feierabend war manchmal regelrecht gelaufen. Manchmal musste ich entweder wieder ganz von vorn anfangen, oder umdisponieren. Schlimmstenfalls sogar nochmal losfahren um neues Material zu besorgen. All das passierte oft nur deswegen, weil ich den einen oder anderen Arbeitsschritt unbedingt noch heute fertig haben wollte.
Ich fragte mich daher immer öfter, ob ich überhaupt noch auf dem richtigen Weg bin. Die Arbeit in der Werkstatt sollte mir doch einen Ausgleich zu meinem oft stressigen Beruf geben, stattdessen kam ich nicht selten regelrecht gestresst aus meiner Werkstatt und spürte oft eher Unzufriedenheit anstatt Freude.
Eines Tages kam mir dann ein Gedanke. Ich dachte an meine Zeit damals als ich noch Motorrad gefahren bin. Da stieg ich ja auch nicht auf mein Motorrad, weil ich möglichst schnell irgendwo hin wollte. Ganz im Gegenteil. Oft hatte ich nicht mal darüber nachgedacht, wo ich überhaupt hinfahren würde. Es ging um das Fahren selbst. Um das Gefühl der Freiheit, um den Moment.
Das gab mir eine Weile zu denken. Mir wurde immer klarer: Es ging doch hier nie um das effektive „Herstellen“ von Holzprodukten, oder was auch immer. Sondern um die Arbeit an sich. Um die Freude an der Arbeit, die Entwicklung meiner Fertigkeiten, der Lernprozess insgesamt, aber auch um den meditativen Aspekt. Im Flow sein, ohne ständig auf die Uhr zu schauen. Ganz ohne Zielvorstellung, was ich gern heute noch fertig haben will. Ich nahm mir vor, das mal aus dieser Blickrichtung zu betrachten und die Effektivität einfach mal komplett aus meiner Werkstatt zu verbannen.
Zugegeben, ich musste mich erst eine Weile daran gewöhnen. Wenn man viele Jahre darauf trainiert wurde, möglichst effektiv zu arbeiten, legt man diese Denkweise nicht von heute auf morgen ab. Aber heute gehe ich immer öfter einfach nur runter in meine Werkstatt, ohne mir vorzunehmen, was ich heute unbedingt noch fertigstellen möchte. Manchmal säge ich ein paar Bretter zu, oder ich schleife ein Werkstück weiter. Und manchmal sitze ich nur mit einer Tasse Kaffee in meiner Werkstatt und überlege, wie es weitergehen könnte. Interessanterweise entstanden dabei schon öfter die besten Ideen.
Meine Werkstatt wurde ab da immer öfter wieder das, was sie eigentlich immer sein sollte:
Ein Ort, an dem ich zur Ruhe komme.
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