Warum ich mir selbst immer öfter auf die Schliche komme.

„Du bist nicht deine Gedanken… „

Diesen Satz habe ich zufällig in einem Artikel im Netz gelesen und irgendwie ging er mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf… Wie war das zu verstehen?

Ehrlich gesagt hielt ich diesen Satz für ziemlich seltsam.

Natürlich bin ich meine Gedanken. Wer denn sonst? Als ich darüber weiter nachdachte fiel mir noch eine Bemerkung ein, die ich mal über mich gehört habe.

„Du bist ganz schön verkopft..“

Das sollte mir wohl sagen ich mache mir oft zu viele Gedanken. Aber war es denn nicht gut wenn man nachdenkt? Ich sah noch nie ein Defizit darin nachzudenken. Ja, ich betrachte vieles im Leben von allen möglichen Seiten, ich hinterfrage, ich analysiere und denke über vieles nach, war schon immer so.. Im beruflichen, sowie im privaten Leben hatte mir das immer geholfen. Zumindest dachte ich das.. Gleichzeitig merkte ich aber auch oft, dass manche Gedanken mich nicht mehr losließen. Und tatsächlich.. Es gab auch mal Tage, da hätte ich meinen Kopf am liebsten mal ausgeschaltet. So stark war das Gedankenrauschen. Nicht selten raubte mir das sogar den Schlaf.
Im meditativen Kontext hörte ich auch immer wieder solche Sätze: „Deine Gedanken kommen und gehen, wie Wolken am Himmel.“ Klingt schön, und ja sie kommen, aber sie ziehen nicht einfach weiter. Sie blieben! Manchmal waren es dunkle, sogar fast schwarze Wolken, die über mir hingen. Schwer wie Blei. Sie beschäftigten mich oft, manchmal sogar tagelang, manche ließen mich sogar beim Einschlafen nicht mehr los.

Ich machte mir nun Gedanken über meine Gedanken..

Das Thema fing an mich mehr zu interessieren und ich beschloss mir mal ein Buch darüber zu kaufen und der Sache auf den Grund zu gehen. Und ehrlichgesagt, ich verschlang dieses Buch! Bis zu diesem Zeitpunkt war ich fest davon überzeugt, dass meine Gedanken die Wahrheit widerspiegeln. Wenn ich dachte, ich hätte versagt, dann habe ich eben versagt. Wenn ich dachte, etwas nicht schaffen zu können, dann schien das die Tatsache zu sein. Ich dachte oft an alle möglichen Horrorszenarien, nur um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. – Ja ich war auch ein Kontrollfreak. Typisch ITler.. Ich glaubte meinen Gedanken, sie waren ja schließlich meine Gedanken.
Dann stieß ich auf einen Gedanken, der meine Sicht auf mich selbst verändert hat. Was wäre wenn der Satz oben stimmt und ich gar nicht meine Gedanken bin.. sondern derjenige der sie einfach nur beobachtet? Ich stellte mir das sogar bildlich vor. Ich stellte mir folgende Szene vor. Ich saß im Kino und auf der Leinwand liefen alle meine Gedanken ab. Manche waren freundlich. Manche machten mir Angst. Manche erzählten Geschichten über mich selbst. Auf die einzelnen Szenen habe ich dort auch keinen Einfluss.
Aber ich kann entscheiden, welchen Szenen ich meine Aufmerksamkeit schenke.

Mir wurde klar, dass Gedanken einfach auftauchen. Ich suche sie mir nicht aus, aber ich kann entscheiden, ob ich ihnen hinterherlaufe oder ob ich sie weiterziehen lasse. Wenn mir ein Gedanke nicht gut tut, dann versuche ich ihn nicht weiter zu denken. Ja, ich gebe zu, dass ist Übungssache, aber ich erinnere mich stets daran, ich selbst kann bestimmen über was ich nachdenke.

Nicht selten drehten sich meine Gedanken auch im Kreis, besonders gern nachts und da wirken manch düstere Gedanken besonders bedrohlich. Das war mir so deutlich auch noch nicht klar, aber es stimmte. Ich „zerdachte“ Situationen, Dialoge und kam nicht weiter.

Es gab kein Ziel dieser Gedanken, sie drehten sich einfach nur im Kreis.

Zu Erkennen das diese Gedankenschleifen zu nichts führen, zumindest zu keiner Lösung, ist schon der erste Schritt aus der Spirale heraus.

Das allermeiste was ich befürchtet habe, ist nie eingetreten.

Kontrollieren kann man im Leben ohnehin nur sehr wenig, das habe ich bereits erkannt. Kontrolle ist allzu oft eine Illusion. Manchmal muss man einfach mal loslassen und ich kann dir sagen, Loslassen tut oft verdammt gut. Ich übe mich immer mehr darin, meine Gedanken wie Luftballons fliegen zu lassen und einfach mal abzuwarten was wirklich passiert. Denn das allermeiste was ich befürchtet habe, ist nie eingetreten. Andere Gedanken schreibe ich mir auch mal auf, dann habe ich sie schwarz auf weiß vor mir und kann sie dann nüchtern bewerten. Oft merke ich dabei, dass sie gar nicht so bedrohlich sind, wie sie sich in meinem Kopf angefühlt haben. Durch den Abstand erledigt sich manches oft schon fast von selbst. Für andere Gedanken schaffe ich tagsüber dann eine Lösung oder eine Strategie, wie ich mit ihnen umgehen möchte. Wie oft habe ich selbst schon erkannt, dass mir hervorragende Lösungen eingefallen sind, wenn ich nur mal Abstand gewinne und loslasse. Ja, und auch das kommt vor. Manchmal fällt mir auch mal keine Lösung ein, aber hier beginnt wieder das loslassen. Es ist völlig OK, manchmal (noch) keine Lösung zu haben.

Ich habe gelernt, meinem eigenen Kopf nicht mehr alles zu glauben und wenn sich mein innerer Kritiker wieder zu Wort meldet, bitte ich ihn inzwischen lieber erst mal an den Tisch und gehe die Angelegenheit nüchtern durch.

Der Herr in meinem Kopf bin ich!

Wie ist es bei dir? Neigst du auch manchmal zum „overthinking“?