Als Routinen und Ziele mein Leben übernahmen
Mein Leben schien perfekt, ich hatte alles was sich so manch einer wünscht, ich war gesund, hatte eine wunderbare Frau, seit 25 Jahren einen krisenfesten Job, ein Haus im Grünen mit eigener kleiner Holzwerkstatt, die ich mir eingerichtet hatte und auch einen schönen kleinen Garten. Wir hatten tolle Autos, sogar ein kleines Boot und gute Nachbarn, finanziell ging es uns auch ganz gut.
Ein paar Jahre nach unserem Einzug in unser neues Heim haben wir dann geheiratet. Eine tolle Feier mit vielen Gästen. Glück pur.. Hey, was wollte man mehr?
Hochmotiviert über all das Glück lief ich dann die nächsten Jahre wie ein Marathonläufer, quasi im Funktionsmodus durch mein Leben. Kein Blick nach links oder rechts, dafür war keine Zeit. Immer mehr ordnete sich meinen Projekten, Zielen und Routinen unter. Zeitmanagement und Optimierung von Abläufen – beruflich sowieso, aber auch privat wurde unerlässlich. Es gab immer mehr zu tun als ich schaffen konnte und ich wünschte mir sehr oft einfach mehr Zeit für meine Projekte und Ziele.
Das waren unter anderem berufliche Ziele, private Projekte, – am Haus war schließlich immer etwas zu tun, und ein Haus wird gefühlt nie fertig. Ich rannte mit einem Tunnelblick durch Baumärkte, um noch dies und das zu besorgen, was ich für meine Projekte brauchte. Es gab auch immer neue Ideen für unser Haus die uns einfielen. Selbst in meiner kleinen Werkstatt ging es immer öfter nur noch um das zügige Erreichen des nächsten Arbeitsschrittes. Das ging soweit, das ich sogar Urlaubsreisen als Unterbrechung meiner Zielerreichung gesehen habe.
Mein Leben begann sich aber immer mehr anzufühlen, wie das Zahnrad eines Uhrwerks. Im immer gleichen Rhythmus drehte es sich im Gleichtakt mit allen anderen Zahnrädern. Jedes kleine Hindernis, welches sich mir in den Weg stellte, fühlte sich an wie ein Ärgernis, das mir nur Zeitverlust bescherte. Tagein Tagaus und im Wandel der Jahreszeiten liefen die immer gleichen Dinge und Todo’s. Die Kalenderblätter die ich abriss, erinnerten mich stets an die gleiche Zeit im Vorjahr, ich registrierte in diesen Momenten ganz besonders, dass sich die Dinge immer häufiger wiederholten. Unsere täglichen Abläufe wurden zur Routine und unterschieden sich oft nur noch zwischen Werktag und Wochenende. Unsere Abende verbrachten wir meist mit Serien um den Kopf abzuschalten, um dann, natürlich oft stets zur gleichen Zeit, müde ins Bett zu fallen. Beim Einschlafen drehten sich meine Gedanken oft schon wieder um das was am nächsten Tag anstand.
Irgendwann hatte ich mir ein SmartHome eingerichtet. Als ITler natürlich eine Selbstverständlichkeit, sowas zu haben. Unter anderem Leuchten, TV und Heizungsthermostate gingen nun größtenteils zeitgesteuert an und aus. Klasse Sache fand ich, die Programmierung machte mir enorm Spaß. Prozessgestaltung und Optimierung war ja ohnehin stets ein Hobby von mir. Irgendwann passte ich meinen Tagesablauf unbewusst den Automationen an und fragte mich hin und wieder schon, ob ich mein SmartHome programmiert habe oder mein SmartHome langsam mich programmierte. Ich hatte mich nun unbewusst noch mehr zu einem Hamster in meinem eigenen Hamsterrad gemacht.
Zwar hatte ich jedes Mal Glücksgefühle, wenn ich wieder etwas geschafft habe, aber das hielt nie lange an. Ich registrierte langsam immer mehr, das jedes erreichte Ziel mir nur das nächste Ziel verschaffte, dass es zu erreichen galt.
Meine unterschwellige Unzufriedenheit empfand ich aber irgendwie unpassend und habe sie daher lange ignoriert. Was stimmte denn hier nicht?
Ich machte mich auf, um einiges zu hinterfragen…
Rückblickend glaube ich, dass genau dort meine eigentliche Reise begann. Nicht zu neuen Zielen…
Sondern zu mir selbst!
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