Über die Frage, ob man Blogs in Zeiten von KI überhaupt noch braucht

Mein zehnter Beitrag. Eine gute Gelegenheit, mal auf eine Frage einzugehen, die auch mich selbst beim Schreiben meiner Beiträge öfter beschäftigt hat.

Noch bevor ich diesen Blog gestartet habe, kam die Frage in mir auf: Braucht man sowas heute überhaupt noch? Alle möglichen Fragen kann man heute einer KI stellen und bekommt schon erstaunlich brauchbare Antworten zu den unterschiedlichsten Themen. Selbst bei persönlichen Lebensfragen kommen heutzutage schon gute Ratschläge, interessante Gedanken und ganz hilfreiche Tipps aus dem Automaten.

Man könnte fast glauben, sogar Berater, Coaches und Therapeuten dadurch ersetzen zu können.

Aber ist das wirklich so?

Tja, also ich versuche meine Gedanken dazu mal zusammenzufassen. Eine KI verfügt über sehr viel Wissen und kann dieses erstaunlich gut wiedergeben. Sie bringt Gedankenimpulse ein, auf die ich selbst manchmal gar nicht gekommen wäre. Sie kann mich dabei unterstützen, Fehler zu erkennen und Zusammenhänge klarer zu sehen. Oft ist sie auch für mich die wesentlich schnellere „Suchmaschine“.

Lassen wir das erstmal so stehen. Ich will die Vorteile von KI jetzt gar nicht alle aufzählen.

Denn ein paar Dinge darf man hier bei all dem nicht vergessen: Eine KI hat nie wirklich als Mensch gelebt. Sie hat keine eigenen Erfahrungen als Mensch gemacht. Nichts verloren, nichts bereut und nichts überwunden. Nie geweint und nie gelacht. Sie sieht die Dinge nicht wie ein Mensch und fühlt auch nicht wie einer. Sie fühlt überhaupt nichts. Auch übernimmt sie keine Verantwortung, denn die bleibt bei demjenigen, der davor sitzt und sie nutzt.

Manche persönlichen oder sehr komplexen Zusammenhänge kann sie aus meiner Sicht vermutlich nur begrenzt erfassen oder vielleicht gar nicht. Ja, und Fehler macht sie auch noch, das wiederum macht sie fast schon wieder menschlich.

Und noch was: Wenn wir als Menschen irgendwo Rat suchen, wollen wir diesen doch im besten Fall von jemandem hören, der ähnliche Situationen vielleicht selbst schon gemeistert hat. Von jemandem, der seine Erfahrungen und Gefühle dazu beschreiben und sagen kann, was ihm wirklich geholfen hat. Und nicht nur allgemeine Tipps, die ein KI-Automat dazu auswirft.

Bei der Nutzung von KI darf aus meiner Sicht besonders dieser Punkt nicht vergessen werden:

Sie ersetzt nicht unser eigenes Denken. Wir können nutzen, was von ihr ausgegeben wird. Aber wir sind selbst dafür verantwortlich, es zu verstehen, zu prüfen und entsprechend einzuordnen.

Wir kommen also gar nicht drum herum, weiterhin unseren eigenen Grips anzustrengen.

Und das ist auch gut so. Denn letzten Endes müssen wir für das geradestehen, was wir am Ende schreiben und veröffentlichen.

Ich vergleiche das gern mit der Einführung von Navigationssystemen im Auto. Schon damals gab es ja öfter Berichte über Autofahrer, die ihrem Navi offenbar so blind vertrauten, dass sie mitsamt ihrem Auto irgendwo landeten, wo sie ganz sicher nicht hinwollten – in einigen Fällen sogar im Wasser. Auch dort lag das Problem nicht unbedingt in der neuen Technik, sondern darin, dass jemand aufgehört hatte, selbst mitzudenken. Unsere moderne Technik soll uns das Leben vereinfachen, aber eben nicht abnehmen.

Wie schnell wir uns dabei abhängig machen können, habe ich selbst mal erlebt. Nach einem Autounfall wollte ich meine damalige Freundin informieren und hatte mein Handy nicht dabei. Mir wurde zwar sofort eins angeboten, nur ihre Telefonnummer wusste ich überhaupt nicht auswendig.

Das Problem war, dass ich mich längst darauf verlassen hatte, dass mein Handy diese Information für mich speichert. Bei KI könnte uns etwas Ähnliches passieren, wenn wir nicht nur Aufgaben abgeben, sondern irgendwann auch das eigene Nachdenken.

Und nu Butter bei die Fische: Ja, natürlich lasse ich mir auch von KI helfen. Schon allein bei den Beitragsbildern ist sie eine gute Unterstützung. Ich muss mir weder ein Fotostudio einrichten noch laufe ich Gefahr, gegen irgendwelche Urheberrechte zu verstoßen, wenn ich Fotos aus dem Netz verwende. Ich lasse meine Rechtschreibung prüfen, hole mir Tipps beim Schreiben und nutze KI unter anderem auch für Recherchen und zum Gegenprüfen. Ein besonders schöner Nebeneffekt: Ich lerne dabei immer wieder etwas dazu.

In diesem Zusammenhang kam mir grade ein Gedanke wieder in den Sinn, den ich vor mehr als 20 Jahren mal gelesen habe. Sinngemäß hieß es dort:

In der Zukunft werden Menschen ständig einen Computer bei sich tragen.
Natürlich wird es auch möglich sein, ohne diesen zurechtzukommen.
Aber man wird zunehmend im Nachteil sein.

Mit unseren Smartphones ist genau das eingetreten. Für die Nutzung von KI könnte Ähnliches gelten. Niemand muss sie benutzen. Aber wer lernt, sinnvoll und verantwortungsvoll mit ihr umzugehen, wird sich manches erleichtern und vermutlich in einigen Bereichen einen Vorteil haben.

Das eigene Denken und die Verantwortung nimmt sie uns trotzdem nicht ab. Und eigene Erfahrungen hat sie nie gemacht.

Wie denkst du darüber?
Ist KI für dich eher ein hilfreiches Werkzeug, ein Gesprächspartner oder etwas, dem du noch mit Skepsis begegnest? Und was kann ein persönlicher Berater, Coach oder Blog dir geben, was eine KI-Antwort nicht leisten kann?